
… Schreiben war immer ein wichtiger und großer Bestandteil meines Lebens. Mein Papa hat mir noch im Kindergarten Lesen und Schreiben beigebracht und während die anderen Kinder in der Grundschule ihre ersten Schreibversuche gemacht haben, habe ich meine ersten Kurzgeschichten geschrieben. Der Großteil meines Lebens ist in Tagebüchern festgehalten – die Einträge haben mal kurze, mal längere Abstände, aber sie sind da. Und nachdem sich meine Generation nach und nach das Internet erschlossen hat – ja, ich gehöre zu der Generation, bei der man sich entscheiden musste: telefonieren oder Internet? Auf dem Handy bloß nicht versehentlich auf die Internet-Taste drücken, weil das ein halbes Vermögen gekostet hat und SMS wurden in T9 und mit Abkürzungen geschrieben, weil man die Maximalzeichen nicht überschreiten durfte, MMS waren nämlich auch viel zu teuer – habe ich, ich glaube, das dürfte 2008 oder 2009 gewesen sein, meinen ersten Blog, damals noch auf Blogspot (ich wette, das ist unbezahlte Werbung) eröffnet.

Wie viele andere Jugendliche der Emo-Punk-Gothic-Szene, habe ich mich dazu entschieden, mein Leben in einer Art online-Tagebuch festzuhalten und meine Gedanken zu teilen. Zu Schreiben war ein fester Bestandteil meines Alltags – irgendwo zwischen Schule, Freund:innen, Fotos machen und Musik hören.
Die Themen haben sich mit der Zeit verändert, mein Lebensmittelpunkt hat sich immer wieder neu ausgerichtet und es gab viele Veränderungen – sowohl im privaten Leben, als auch auf dem Blog. Ich habe unterschiedliche URLs ausprobiert, mich immer wieder neu ausgerichtet und irgendwann wurde es leise. Immer leiser. Und das hatte Gründe, vermutlich sogar gute Gründe, und doch konnte ich mich nie vollständig vom Schreiben, vom bloggen, verabschieden. Ich habe darüber nachgedacht, was sich über die Jahre verändert hat … und ich habe ein paar Sollbruchstellen entdeckt, über die ich gestolpert bin. Bevor ich mich also entscheide wie genau ich dieses Projekt ab jetzt gestalten möchte, werde ich den November nutzen und über einige dieser Sollbruchstellen schreiben.
Viel Spaß beim Lesen, der erste Beitrag wird sich mit der Frage beschäftigen welche Seite der Wahrheit zählt: Die ehrlichste, oder die lauteste.


